Olga Boznańska. Krakau – München – Paris
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Das „Mädchen mit Chrysanthemen“ ist 1896 auf der Internationalen Kunstausstellung in Berlin und im Wiener Sommersalon zu sehen. Ein Bild „Mädchen im Garten“ aus diesem Jahr (Abb. 25) ist vor allem als Farbstudie interessant. 1898 entsteht das Gemälde „Zwei Kinder auf der Treppe“ (Abb. 26), das noch im selben Jahr, in dem Boznańska nach Paris übersiedelt, in ihrer Ausstellung in der Pariser Galerie Georges Thomas unter dem Titel „Zwei rote Mädchen“ ausgestellt wird. 1904 wird es in der Ausstellung der TPSP in Krakau von dem Großgrundbesitzer Edward Aleksander Raczyński (1847-1926) für dessen Gemäldegalerie auf dem Familiensitz in Rogalin angekauft. Boznańskas „Mädchen“-Bilder zeigen eine Affinität zur Malerei des Symbolismus, auch wenn diese nicht eindeutig zu klären ist. Die statuarische Haltung und der starre Blick, ein weißes Taschentuch und die weißen Chrysanthemen könnten auf Franz von Stucks Bild der jugendlichen „Innocentia“ (1889, Sammlung Manoukian, Paris) verweisen, die eine weiße Lilie als Zeichen der Unschuld vor sich her trägt. Stucks Gemälde ist 1889 auf der Jahresausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft zu sehen und wird umgehend verkauft. In der Malerei des Symbolismus sind der starre Blick aus dem Bild, goldblondes Haar, weiße Schleier, rote Kleider und Blusen, Hüte, die wie Heiligenscheine wirken, sämtlich Sinnbilder für das Stadium der Frau zwischen Kindheit und aufblühender Erotik. Sie sind ebenso wie die Ergriffenheit vor der Mutterschaft auch von anderen Malern dieses Stils, etwa von Pierre Puvis de Chavannes, Dante Gabriel Rossetti, Giovanni Segantini oder Edvard Munch, in großer Zahl gemalt worden.
Der außerordentliche Erfolg, den Boznańska mit dem Porträt von Paul Nauen gehabt hat, wird in den folgenden Jahren auch an einer stetig wachsenden Zahl von Ausstellungsbeteiligungen und Reisen deutlich. 1894 ist sie auf der Internationalen Kunst-Ausstellung der Münchner Secession mit einem nicht näher bezeichneten Porträt-Gemälde sowie Pastell-Bildnissen zweier Russen, eines „Frl. Komonovska“ und eines „Herrn Sviatlovsky“, beteiligt.[32] Auf der Großen Berliner Kunstausstellung ist sie mit einem Gemälde „Mutter und Kind“ und einer Studie vertreten.[33] In der vierten Ausstellung der Londoner Society of Portrait Painters in der New Gallery in der Regent Street wird sie für ein Porträt der deutsch-englischen Opernsängerin Marie Brema (1856-1925) mit einer ehrenvollen Erwähnung ausgezeichnet.[34] Neben ihrem Umzug in das neue Atelier in der Münchner Georgenstraße (Abb. 27) besucht sie erneut ihre Verwandten in Paris und begibt sich schließlich auf eine Europareise, während der sie Wien, Berlin, Weimar, Valencia, Avignon, Genf, Rapperswil und Mailand besucht.
[32] 1894. Verein Bildender Künstler Münchens e.V. Secession: Offizieller Katalog der Internationalen Kunst-Ausstellung des Vereins bildender Künstler Münchens (A.V.) "Secession", Seite 13, Nr. 41; Seite 33, 323, 324; online: http://digital.bib-bvb.de
[33] Grosse Berliner Kunstausstellung 1894. Katalog, Seite 11, Nr. 197, 198; online: http://digi.ub.uni-heidelberg.de
[34] Ausst.-Kat. Olga Boznańska, Krakau 2014, Seite 312