Alfred Wierusz-Kowalski
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Seit Beginn der achtziger Jahre treten in Wierusz-Kowalskis Bildern Winterszenen auf, mit Jägern die mit ihren Hunden aufbrechen, mit Kutschen und Schlitten auf verschneiten Wegen und mit aggressiven Wölfen. Aus dieser Zeit stammen die Gemälde Wyprawa na niedźwiedzia [Bärenjagd] (Abb. 19) und Napad wilków (Überfall von Wölfen, Abb. 20).[25] Und obwohl diese Themen nicht die Hauptmotive seines Schaffens sind, haben doch gerade sie dem Künstler größten Ruhm beschert.[26] Vor allem wird seine Malerei mit den dramatischen Überfällen der Wölfe assoziiert, während seine Bilder weder grausam noch schockierend sind, da Blut und Tod ausgespart sind.
Schnee zu malen beherrschte Alfred Wierusz-Kowalski meisterhaft (Abb. 21, 22). Auf seinen Gemälden schillert er an frostigen Morgen in vielen Nuancen, er färbt sich purpurrot im Licht der sinkenden Sonne, während er bei Tauwetter an bewölkten Tagen unter den Pferdehufen bricht und der graue Himmel sich in den Wassertropfen spiegelt. Auf anderen Bildern bedeckt weißer Pulverschnee zart die Hügel oder lastet schwer auf dem Geäst der Sträucher. Lichtreflexe wechseln mit tiefen Schatten, Kontraste von warmen und kühlen Tönen kommen vor, aber auch spezielle Techniken wie grobe grelle Farben, pastose Aufträge und der großzügige Duktus des frei geführten Pinsels. Stilmittel, die der Künstler verwendet, um die ungleichmäßige, leicht auf jede Schwankung der Temperatur und des Windes reagierende Textur von Schnee einzufangen.
Zu Beginn der achtziger Jahre verfestigten sich die typischen Merkmale der Malerei von Alfred Wierusz-Kowalski, der seine Themen bevorzugt aus dem polnischen Brauchtum und der Landschaft Polens schöpfte. Die von ihm dargestellten Szenen spielen sich meist in Dörfern und weniger in kleinen Städten ab, wobei sie sich nicht der Arbeit und den Mühen des täglichen Lebens, sondern den Betätigungen und Vergnügungen des ländlichen Adels widmen: Jagdausflüge, Rückreisen von Jahrmärkten und Schlittenfahrten, und zwar stets in Bewegung, bei wechselnden Witterungen, Tages- und Jahreszeiten. Seine Protagonisten befinden sich gewissermaßen immer in der Schwebe, in einem Interim, zeitlich und räumlich, wodurch sie frei von Pflichten und von den Lasten des Alltags sind.
[25] Wyprawa na niedźwiedzia, vor 1889, Öl auf Leinwand, 102 x 73 cm. Privatsammlung. Napad wilków, 1885–1890, Öl auf Leinwand, 110 x 150 cm. Privatsammlung.
[26] In Nordamerika erfreute sich das Bild Rabuś [Der einsame Wolf] großer Beliebtheit, das ein einziges Tier in einer Schneelandschaft zeigte. Dieses Motiv zog sehr viel später in die Pop-Kultur ein und wird seither auf T-Shirts, Mützen, Bechern und ähnlichen Werbeträgern reproduziert.