Tadeusz Nowakowski

Tadeusz Nowakowski, ca. 1950.
Tadeusz Nowakowski, ca. 1950.

Tadeusz Nowakowski wurde am 8. November 1917 als Sohn von Stanisław Nowakowski und Emilia Górka in Allenstein (Olsztyn) geboren. Der Vater des späteren Schriftsellers war Historiker, Journalist und polnischer Aktivist im Kampf um die Unabhängigkeit in Ermland (Warmia). Als das Ermland 1920 nach der Volksabstimmung Deutschland zufiel, musste die Familie Allenstein verlassen und zog nach Bydgoszcz (Bromberg) in das wiedererstandene Polen, wo Stanisław Nowakowski eine Anstellung als Redakteur bei der Lokalzeitung „Dziennik Bydgoski“ (Bromberger Tagesblatt) fand. Tadeusz verbrachte daraufhin seine Kindheit und Jugend in Bydgoszcz, das er zeitlebens als seine Heimatstadt betrachtete. Hier besuchte er die Grundschule und hier bestand er am Staatlichen humanistischen Marschal-Rydz-Śmigły-Gymnasium (Państwowe Gimnazjum im. Marszałka Śmigłego-Rydza) sein Abitur. Dort redigierte er die Schülerzeitung „Ogniwa“ (Bindeglieder), in der er auch seine jugendlichen Erstlingswerke publizierte. Zudem schrieb er Gedichte und Feuilletons für das Tagesblatt „Dziennik Bydgoski“ und er arbeitete für das neu gegründete Studio des Polnischen Radios in Bydgoszcz als Redakteur einer Pfadfindersendung. 1936 nahm er an der Warschauer Universität, die damals nach Józef-Piłsudski benannt war, ein Studium der Polonistik auf.

Nach Ausbruch des Krieges trat er in die Freiwillige Arbeiterbrigade zur Verteidigung Warschaus (Ochotnicza Robotnicza Brygada Obrony Warszawy) ein, eine Zivilschutzeinheit, die von der Polnischen Sozialistischen Partei (Polska Partia Socjalistyczna) eingerichtet worden war. Über eine Einberufung zu diesem Dienst verfügte er nicht, da er wegen seiner Zuckerkrankheit und eines Sehfehlers als untauglich für den Wehrdienst galt. Ende 1939 gelangte er nach Włocławek, wohin sich seine Mutter und die Geschwister nach der Inhaftierung des Vaters in Bydgoszcz und dessen Deportation ins Konzentrationslager begeben hatten (Stanisław Nowakowski kam 1942 in Dachau ums Leben).

Im Dezember 1940 wurde Tadeusz Nowakowski unter dem Vorwurf der Verbreitung von Flugblättern sowie der Leitung einer Untergrundpostille verhaftet. Er kam vor den Volksgerichtshof und wurde für seine Widerstandsaktivitäten, die zur „Abtrennung Großpolens vom Dritten Reich“ führen sollten, zum Tode verurteilt. Da der Angeklagte die deutsche Sprache jedoch ausgezeichnet beherrschte, erhob er eine formelle Beschwerde, in der er vortrug, dass seine Pflichtverteidiger, die ortsansässige Volksdeutsche waren, der deutschen Sprache nur passiv und nur bedingt mächtig seien, so dass sie außer Stande seien, seine Verteidigung ordnungsgemäß wahrzunehmen. Das Gericht gab dieser Beschwerde statt und „begnadigte“ Nowakowski, indem es die Todesstrafe in eine 30jährige Konzentrationslagerhaft umwandelte. 

Mediathek
  • Tadeusz Nowakowski und Teresa Kiersnowska am Mikrofon

    In der Revue „Nachmittag mit Mikrofon“, Maczków 1946
  • Tadeusz Nowakowski

    Profilaufnahme, ca. 1950
  • Teresa und Tadeusz Nowakowski nach der Heirat

    Maczków 1946
  • Beim Interview am Strand

    Für die polnischsprachige Fraktion des Senders Radio Free Europe, 1957
  • Nach der Hochzeitsfeier in Maczków, 1946

    Teresa Nowakowska (Mitte links), Tadeusz Nowakowski (zweiter von rechts), links von ihm Irena Kiersnowska (Mutter von Teresa Nowakowska und Ryszard Kiersnowski), im Hintergrund ein anderer Tadeusz Now...
  • Im Gespräch mit Witold Gombrowicz

    Studio des Senders Radio Free Europe in München, 1963
  • Nach der Hochzeit in Maczków, 1946

    V.l.n.r.: Tadeusz Nowakowski (Direktor des Lyzeums/Gymnasiums in Maczków), Irena Kiersnowska (Teresa Mutter), Ryszard Kiersnowski (Teresas Bruder), Michał Kiersnowski, Wiera Kiersnowska (Ryszards Ehef...
  • Bei der Besprechung im Studio 1963

    Von links: Lechosław Gawlikowski, Jeremi Sadowski, Zygmunt Michałowski, Józef Ptaczek.
  • Teresa und Tadeusz Nowakowski in Maczków 1946

    Oben von links. Im Vordergrund: Michał Kiersnowski und Irena Kiersnowska.
  • Tadeusz Nowakowski und Johannes Paul II.

    1979
  • Tadeusz Nowakowski

    Fotografie aus seinem in Maczków ausgestellten Personalausweis, 1946
  • Mit Sohn Marek bei Johannes Paul II

    Im Vatikan.
  • Ryszard Kiersnowski, Tadeusz´ Schwager, in Maczków, 1946

    Kriegsberichterstatter der Ersten Panzerdivision von General Maczek
  • Mit Richard von Weizsäcker

    Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, 1985
  • Ehrentafel für Tadeusz Nowakowski

    Bydgoszc, Polen, 1998
  • Haus, in das die Familie Nowakowski zog, als Tadeusz 3 war

    Bydgoszcz, Podgórna Straße 15, Zustand 2015.
  • Der bekannteste Roman „Obóz wszystkich świętych“

    Erschienen in Paris 1957. Auf Deutsch: Polonaise Allerheiligen, 1964.
  • „Obóz wszystkich świętych“, kritische Ausgabe

    Warschau 2003. Vorwort, Bearbeitung und Anmerkungen: Wacław Lewandowski.
  • Teresa Nowakowski (101) im Gespräch mit Sohn Krzysztof

    London 2019 (auf Polnisch)
  • Tadeusz Nowakowski - Hörspiel auf Deutsch

    In Zusammenarbeit mit „COSMO Radio po polsku“ präsentieren wir Hörspiele zu ausgewählten Themen unseres Portals.