Józef Szajna - Portrait von Stefan Sękowski

Józef Szajna - Portrait von Stefan Sękowski

Info

„Rysunek wykonałem w 1946 r. J. Szajna“ (Die Zeichnung habe ich 1946 angefertigt, J. Szajna), schrieb Józef Szajna auf die Rückseite der Zeichnung mit einem roten Stift. Es ist das Portrait von Stefan Sękowski, einem Offizier der 1. Polnischen Panzerdivision, die 1945 an der Seite der Alliierten von Holland aus in das Land einmarschierte, an dessen damaligen Westgrenzen, so die Legende, die Inschrift gestanden haben soll „Hier endet die zivilisierte Welt“. Das Kommando hatte der legendäre General Stanisław Maczek. Ihm zu Ehren wurde die deutsche Kleinstadt Haren an der Ems, deren Bewohner sie im April 1945 für die Polen räumen mussten, bald darauf Maczków genannt.

Lage im Atlas der Erinnerungsorte

Die meisten polnischen Bewohner Maczkóws waren Angehörige der 1. Polnischen Panzerdivision und die im benachbarten Lager Oberlangen inhaftierten, über 1.700 jungen polnischen Frauen, die kurioserweise von den Maczek-Verbänden befreit wurden. Da die beiden Gruppen vor der Befreiung nichts voneinander gewusst hatten, kam es bei der ersten Begegnung zu enthusiastischen Freundenszenen.

Stefan Sękowski trägt auf dem Portrait die Uniform der 1. Panzerdivision und raucht gelassen eine Pfeife. Er begegnete dem Zeichner des Bilds erst
in Maczków, ebenso wie er dort seine künftige Frau, Aleksandra Diermajer-Sękowska kennen- und lieben lernte. Sie war als 15-jährige Soldatin wegen der Teilnahme am Warschauer Aufstand 1944 auf Umwegen ins Lager Oberlangen gelangt und wurde dort gefangen gehalten.

Nach der Befreiung und der Gründung von Maczków wollte sie am dortigen Gymnasium vor allem das Abitur nachholen. Dort traf sie auf Józef Szajna.
Józef Szajna selbst landete eher zufällig in Maczków. Nach der Inhaftierung durch die Gestapo 1940 auf der Flucht von Polen nach Ungarn war er zunächst im Konzentrationslager Auschwitz inhaftiert. Dort wurde er 1943 nach einem Fluchtversuch zum Tode in einer sogenannten Stehzelle verurteilt. Die unsägliche Tortur überlebte er nur knapp: Das Urteil wurde aufgehoben, da, wie Szajna in zahlreichen Interviews immer wieder betonte, der zuständige Kommandant etwas Privates feiern wollte und gerade gute Laune hatte. Am 21. Januar folgte die Einlieferung in das Konzentrationslager Buchenwald und folglich in das Nebenlager Schönebeck. Am 11. April 1945 gelang Szajna die Flucht während eines Todesmarsches. Wir können nur ahnen, wie der ehemalige polnische Leistungsschwimmer zu dieser Zeit ausgesehen haben mag. Nur zwei Jahre später in Maczków präsentierte er stolz seinen sportlichen Körper an der Ems.
Später sagte Szajna immer wieder, dass Maczków für ihn wie eine „große Sonne“ gewesen sei. Die dort verbrachte Zeit half ihm entscheidend, das Trauma der Konzentrationslager wenigstens insofern zu überwinden, dass er überhaupt lebens- und arbeitsfähig wurde. Seine Erlebnisse verfolgten ihn jedoch so stark, dass er sich entschied, sie im Medium Kunst und Theater zu verarbeiten, was dann tatsächlich geschah.

1947 fasste er den Entschluss, nach Polen zurückzukehren und das Studium an der Kunstakademie in Kraków aufzunehmen. 1955 begann er sein Engagement für das Theater, das er bis zum Tod 2008 in Warschau nicht aufgab. Von Maczków aus wurde Szajna zu einem der prominentesten Vertreter der polnischen Kunst und des polnischen Theaters der Nachkriegszeit.

1946 muss Józef Szajna von der jungen Liebe zwischen Aleksandra und Stefan richtig fasziniert gewesen sein. Als Tischnachbar von Aleksandra am Gymnasium in Maczków erfuhr er sicherlich immer mehr über die junge Soldatin. Unter welchen Umständen Szajnas Portrait von Stefan Sękowski angefertigt wurde, ist im Detail nicht mehr bekannt. Die Zeichnung gehört bis heute zum Privatbesitz von Aleksandra Sękowska.

 

Jacek Barski 

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Józef Szajna - Portrait von Stefan Sękowski
Porträt von Stefan Sękowski, Józef Szajna, Maczków (Haren) 1946 Aleksandra Sękowska, Warszawa
Józef Szajna, Portrait von Stefan Sękowski (Rückseite)
Józef Szajna,Portrait von Stefan Sękowski, Rückseite: „Rysunek wykonałem w 1946 r. J. Szajna“ (Die Zeichnung habe ich 1946 angefertigt, J. Szajna)