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Pfaffenwald. Ein Lager, mehrere Verbrechen

Lager Pfaffenwald. Fundament einer Sanitärbaracke (2015, © Martin Engel)
Lager Pfaffenwald. Das Fundament einer Sanitärbaracke, 2015

Im Jahr 1983 stellte Susanne Hohlmann aus Bad Hersfeld, Autorin einer umfangreichen Lokalstudie fest, dass „das Lager Pfaffenwald ein in Vergessenheit geratener Ort“ sei. In diesem berührenden Buch fragte sie: „Ist es überhaupt möglich, dass im Wald von Asbach und Beiershausen ein Lager stand, in dem mehrere hundert Menschen starben, ohne dass die Bewohner der angrenzenden Dörfer darüber Näheres wissen?“[1] In dieser Hinsicht hat sich mehr als 40 Jahre später nicht viel verändert. Wir wissen nach wie vor sehr wenig über das Lager Pfaffenwald und seine Opfer. Es mangelt zudem an einer angemessenen Erinnerung, da das Lager völlig überwuchert ist. Lediglich eine ein Kilometer entfernte Kriegsgräberstätte erinnert an die Todesopfer. Ziel dieses Textes ist es, die Geschichte des Lagers und der dort begangenen Verbrechen darzustellen. 

 

Reichsautobahnlager 1938–1942
 

Die Geschichte dieses Ortes begann im Sommer 1938, als das Deutsche Reich nach und nach mit Autobahnen überzogen wurde. Auch hier, zwischen den Städten Kirchheim und Hersfeld (heute Bad Hersfeld), wurde eine der Schnellstraßen gebaut, die bis heute wichtige Bundesautobahn „A 4“. Eine besondere bauliche Herausforderung war die Brücke über das Asbachtal. Mit dem Bau dieses Abschnitts wurde die Hersfelder Firma Bolender beauftragt. Neben den deutschen Dienstverpflichteten arbeiteten dort Männer aus dem Sudetenland und aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, für die in unmittelbarer Nähe ein Reichsautobahnlager (RAB-Lager) mit einer Kapazität von etwa 400 Personen eingerichtet wurde. Der Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 erschloss dann ein neues „Reservoir“ an Arbeitskräften, sodass bald darauf auch polnische Zivilisten gegen ihren Willen nach Pfaffenwald kamen. Unter ihnen war der 29-jährige Albert N., der im November 1939 trotz seiner psychischen Erkrankung harte Arbeit verrichten musste.[2] Im Sommer 1940 wurden zudem französische Kriegsgefangene aus dem Stalag IX A Ziegenhain nach Pfaffenwald abkommandiert und in einer separaten, bewachten Baracke untergebracht. Ab Herbst 1941 wurden auch „Ostarbeiter“ zur Arbeit an diesem Autobahnabschnitt eingesetzt. Aus anderen RAB-Lagern wissen wir, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen äußerst hart waren.[3] Darüber hinaus kehrten die Arbeiter nach Abschluss der Autobahnbauarbeiten im Frühjahr 1942 nicht in ihre Heimat zurück, sondern wurden in der damals stark expandierenden Rüstungsindustrie beschäftigt. Doch auch in der Landwirtschaft in der Umgebung von Pfaffenwald war die Zwangsarbeit gang und gäbe. „Jeder Bauer im Dorf hatte seinen Polen“, schrieb einst Susanne Hohlmann.[4]

 

[1] Hohlmann, Susanne: Pfaffenwald: Sterbe- und Geburtenlager 1942–1945, Kassel 1984, S. 14 (abrufbar unter: https://kobra.uni-kassel.de/bitstreams/eb6b513f-1711-49d7-8c9f-b00cbad3a704/download).

[2] Ebner, Susanne: Schizophrene Patienten in der Marburger Universitätspsychiatrie während des Zweiten Weltkrieges, Marburg 2010, S. 67 (Dissertation im Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg, abrufbar unter: https://d-nb.info/1003898238/34).

[3] Vgl. Schmitt-Kölzer, Wolfgang: Polnische Zwangsarbeiter an der „Reichsautobahn“ im Rheinland. Der Leidensweg des Norbert Widok, in: Porta Polonica vom November 2022: https://porta-polonica.de/de/node/1274 (zuletzt aufgerufen am 27.11.2025). 

[4] Hohlmann: Pfaffenwald, S. 28.

Mediateka
  • Eltern: Katarzyna W. und Antoni S. Ihr Kind: Antoni Wenek, am 5.10.1943 in Pfaffenwald geboren

    Eigene Collage
  • Das am 10.10.1943 gestorbene Kind Antoni Wenek

    Liste des Standesamts Hersfeld
  • Fundament einer Sanitärbaracke, 2015

    Lager Pfaffenwald
  • Gedenkkreuz und Grabsteine, 2015

    Kriegsgräberstätte Pfaffenwald-Beiershausen
  • Namen der Opfer auf der Gedenktafel, 2015

    Kriegsgräberstätte Pfaffenwald-Beiershausen