Polnische Überlieferungen in katholischen Kirchen des Ruhrgebiets
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Ruhrpolnische Stiftungsinschriften auf Altären, Missionskreuzen und einem Beichtstuhl
Es gibt heute nur noch wenige Objekte, die durch Inschriften als ruhrpolnische Stiftungen ausgewiesen sind. Besonders hervorzuheben ist hier ein Marienaltar in der St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving. [ ., ., ., . ] An den beiden Schmalseiten verläuft ein Schriftzug in deutscher und polnischer Sprache: gewid[met] v[om] S[ank]t Jos[efs] Polenverein in Eving 1900 / Pamiątka od Tawarzytwa (sic!) polskiego św[iętego] Józefa w Eving dnia 19.3.1900. Die ruhrpolnische Zeitung „Wiarus Polski“ hatte bereits am 9.3.1897 darüber informiert, dass der lokale Josefsverein im Vorjahr „40,60 Mark für einen Altar in Eving“ kollektiert habe. Die Pfarrchronik von St. Barbara vermerkte für 1900, dass polnische Gläubige insgesamt 4.291 Mark für dieses Projekt gespendet hätten.
Es handelt sich um einen neugotischen Marienaltar. Die Gottesmutter trägt hier nicht den Jesusknaben auf dem Arm; sie ähnelt nicht der Darstellung auf dem populären Gnadenbild von Tschenstochau. Vielmehr hat sie die Hände gefaltet und tritt als „neue Eva“ mit dem linken Fuß auf den Kopf der Schlange aus dem Paradies, die den Apfel der Verführung im Maul hält. Links und rechts stehen deutlich kleinere Skulpturen von Marias Eltern, Joachim und Anna.
Um die Jahrhundertwende bestand fast die Hälfte der Evinger Kirchengemeinde aus Zuwander:innen, die auch nationalpolnische Interessen verfolgten. Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung“ berichtete am 30.3.1899, dass der Josefsverein 450 Mark aufgebracht habe, „die ausdrücklich zur Ausbildung nicht nur polnisch sprechender, sondern auch polnisch denkender Geistlicher“ verwendet werden sollten. [zit. nach Brandt, Polen, S. 148] Dies erfolgte gleichzeitig mit seinem Engagement für den Marienaltar in St. Barbara.
In Castrop-Rauxel-Schwerin wurde die katholische Notkirche von 1907/08, die dem heiligen Franziskus geweiht war, 1970 abgerissen und durch einen ansprechenden modernen Neubau ersetzt. Im Zuge dieser Maßnahmen gelangte ein neugotischer Marienaltar mit polnischer Stiftungsinschrift in das Diözesanmuseum Paderborn und ist dort zurzeit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
In der Kirche St. Aposteln in der Dortmunder Nordstadt blieb ein Beichtstuhl erhalten, an dem eine Stiftungsinschrift in Polnisch an die erste Volksmission erinnert, die in diesem Gotteshaus abgehalten wurde: Pamiątka Missyi świętej 1907 (Andenken an die heilige Mission 1907). Sicherlich ist dies auch ein Hinweis darauf, dass ruhrpolnische Gläubige hier in ihrer Muttersprache beichten konnten. Eine weitere Inschrift wurde auf Latein formuliert: ab occultis meis munda me domine (Von meinen Sünden befreie mich, Herr!). Die lateinische Sprache verweist auf die universale Weltkirche, der auch das nationalreligiöse Glaubensverständnis der polnischen Katholik:innen unterzuordnen sei. Ein Kruzifix in St. Aposteln vermerkt die Jahreszahlen von sieben Volksmissionen zwischen 1907 und 1951. Es gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass dieses Kreuz aus Anlass der Mission von 1907 von Ruhrpolen gestiftet worden wäre. Die Kirche wurde 2020 geschlossen; der Beichtstuhl soll bei einer evtl. anstehenden Profanierung des Gotteshauses an einen anderen Ort überführt werden. [ ., ., ., . ]
Ein Missionskreuz mit polnischer Stiftungsinschrift befindet sich noch heute in der St.-Josef-Kirche in Dortmund-Nette und wird dort durchaus wertgeschätzt. Der Text lautet: I, SZA MISYA ŚW W MENGEDE KOL OD I.XII.XIII. DO X.XII.XIII. (Erste Heilige Mission in der Kolonie Mengede. Vom 1.12.[19]13 bis zum 10.12.[19]13). Zum besseren Verständnis dieser Inschrift: Die Ortschaft Nette gehörte seit 1889 zum Amt Mengede, das erst 1928 nach Dortmund eingemeindet wurde. Die Kirchengemeinde in Nette wurde erst 1941 selbständig; zuvor war sie Filialgemeinde der Hauptkirche St. Remigius in Mengede. Zur Filialgemeinde Nette gehörte 1913 auch die „Kolonie Mengede“, worauf die Stiftungsinschrift auf dem Kruzifix offenbar anspielt. [ ., ., . ]
Auch in Recklinghausen-Hillerheide wurde der Kirchengemeinde aus Anlass einer polnischsprachigen Volksmission ein Kruzifix gestiftet. Eine kleine Messingplakette vermerkt: Na pamiątkę Missyi św. 1911 (Zur Erinnerung an die Heilige Mission 1911). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befand sich dieses Missionskreuz nicht mehr in der modernen Pfarrkirche St. Gertrudis, die 1954 anstelle der Notkirche von 1908 errichtet worden war, sondern war in einem kircheneigenen Speicher gelagert. Heute gehört es zum Objektbestand des RELiGIO, des Westfälischen Museums für religiöse Kultur in Telgte bei Münster. [ ., ., . ]