Polnische Überlieferungen in katholischen Kirchen des Ruhrgebiets
Mediathek Sorted
Bis heute erhalten: Darstellungen polnischer Nationalheiliger im Ruhrgebiet
Heute erinnern nur noch wenige Zeugnisse in den Gotteshäusern des Ruhrreviers an die große Zahl der polnischen Katholik:innen, die hier vor über Hundert Jahren ihren Glauben praktizierten. An erster Stelle ist ein Altarflügel von 1908–1911 aus der 1965 abgebrochenen alten Röhlinghauser Pfarrkirche zu nennen, die nicht nur der Bergbau-Patronin Barbara, sondern auch dem Heiligen Geist geweiht worden war. [ ., ., ., ., ., ., ., siehe Online-Ausstellung] Dort ist u.a. der heilige Bischof Adalbert (Wojciech) zu sehen, der bei der polnischen Staatsbildung im Mittelalter eine zentrale Rolle gespielt hatte. Drei Jahre nach seiner Ermordung – Adalbert war 997 bei einem gescheiterten Missionsversuch von den heidnischen Pruzzen erschlagen worden – ließ Kaiser Otto III. den Märtyrer nach in Gnesen (Gniezno) in die Marienkirche überführen, die heutig Domkirche. Während der folgenden Feierlichkeiten erklärte er den Polenherzog Bolesław Chobry zum „frater et cooperator imperii“ und zum „amicus populi romani“ und erhöhte somit dessen fürstlichen Rang. Dieser Rechtsakt wird als wichtiger Schritt in der Entwicklung eines vom deutschen „Regnum“ unabhängigen polnischen Königtums angesehen.
Auf dem Herner Altarbild hält Adalbert eine Keule in der linken Hand, was an seinen gewaltsamen Tod erinnern soll. Links von ihm ist die Landgräfin Elisabeth von Thüringen zu sehen, die aufgrund ihres karitativen Engagements in Deutschland quasi als Nationalheilige verehrt wird. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Spannungen, die zur Entstehungszeit des Gemäldes (1908–1911) zwischen Deutschen und Ruhrpolen herrschten, wirkt dieses Personenpaar in Herne-Röhlinghausen wie ein Appell für ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Völkern unterschiedlicher Nationalität! [ . ]
Als zweite Darstellung eines polnischen Nationalheiligen im Ruhrrevier soll ein Stanislaus-Kostka-Fenster in der St.-Johannes-Kirche in Recklinghausen-Suderwich interpretiert werden. [ ., ., ., ., ., ., siehe Online Ausstellung] Der historische Stanislaus (geb. um 1550 auf Schloss Roskowo in Masowien) erlebte 1564 als Schüler im Wiener Jesuitenkolleg während einer lebensgefährlichen Krankheit zwei mystische Visionen: Die heilige Barbara schickte zwei Engel, die ihm die heilige Kommunion brachten. Die Jungfrau Maria legte ihm den Jesusknaben in den Arm und forderte ihn auf, in Rom dem Jesuitenorden beizutreten. Trotz eines Verbotes seines autoritären Vaters folgte Stanislaus dieser Weisung. In Rom starb er bereits 1567. Während seines kurzen Lebens hatte er seine Mitmenschen durch ein fröhliches Wesen, persönliche Bescheidenheit und tiefe Frömmigkeit beeindruckt. Stanislaus Kostka gilt als Schutzpatron der studierenden Jugend, der Novizen des Jesuitenordens sowie von schwer Erkrankten und von Sterbenden. Weil seine Fürsprache zu mehreren Siegen bei wichtigen Schlachten geführt haben soll, wurde er 1674 zum Patron der polnisch-litauischen Krone proklamiert.
In der Suderwicher Fensterdarstellung hält Stanislaus einen Pilgerstab mit einer Jakobsmuschel in der linken Hand, was auf seine Fußwanderung von Wien nach Rom anspielt. Auf dem rechten Arm trägt er den Jesusknaben, dessen universale Herrschaft durch eine kleine Weltkugel angedeutet wird. Das Farbfenster erinnert an die Marienerscheinung, die der Jesuitenschüler in Wien im Fieberwahn erlebt hatte: Er verinnerlichte als mystische Vision, dass ihm die Gottesmutter ihren Sohn gereicht habe. [ . ]