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Polnische Überlieferungen in katholischen Kirchen des Ruhrgebiets

Marienaltar der St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving, um 1900

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  • Stadtpanorama von Oberhausen, ca. 1955 - Im Zentrum ein Fördergerüst der Zeche Concordia, im Hintergrund links die Gutehoffnungshütte, rechts die katholische Kirche St. Marien
  • Koloniehäuser für Bergarbeiterfamilien in Castrop-Rauxel-Habinghorst - Ansichtskarte von ca. 1910 mit polnischer und deutscher Beschriftung
  • Typische Ruhrgebietsmotive aus Essen-Katernberg: Zeche Zollverein I/II, Amtshaus, Bahnhof und zwei Kirchen - Ansichtskarte, gestempelt 1905
  • Zeche Prosper, Herz-Jesu-Kirche und polnische Buchhandlung - Ansichtskarte aus Bottrop mit polnischsprachiger Beschriftung, gestempelt 1907
  • Zwei Zechen, Kirche, Warenhaus, Post und Molkerei - Ansichtskarte aus Dortmund-Derne, gestempelt 1898
  • Zeche Zollern I/III, Kriegerdenkmal und Dorfkirche aus vorindustrieller Zeit - Ansichtskarte aus Dortmund-Kirchlinde, um 1900, mit tschechischem Schreibtext
  • Katholische Kirche St. Josef in Dortmund-Kirchlinde - Um mehr Platz für zugewanderten Bergarbeiterfamilien zu gewinnen, erhielt die alte Dorfkirche 1904–1906 einen neuen, monumentalen Glockenturm und dahinter ein ausladendes neugotisches Langhaus.
  • Doppelturmfassade der neugotischen Marienkirche in Herne-Baukau - Verwandt wurde Ziegelstein, typisch für das Ruhrgebiet im Industriezeitalter
  • Korinthische Kapitelle aus Ziegelton - Am Hauptportal der Baukauer Marienkirche
  • Evangelische Kirche („Alte Kirche“) in Essen-Altenessen - Errichtet 1887–1890
  • Stahlsäulen in der „Alten Kirche“ in Essen-Altenessen - Vermutlich eine Stiftung der Essener Stahlindustrie
  • St.-Nikolaus-Kirche in Essen-Stoppenberg - Errichtet 1906–1907
  • St.-Nikolaus-Kirche in Essen-Stoppenberg - Der Kirchenraum folgt den Idealen der christozentrischen Architekturtheorie: Vereinigung von Gläubigen unterschiedlicher Nationalität bei der gemeinsamen Feier der heiligen Messe.
  • Heilig-Kreuz-Kirche in Gladbeck-Butendorf - Errichtet 1912–1914 nach dem christozentrischen Raumideal auf Initiative des Gladbecker Krankenhaus-Seelsorgers Johannes van Acken
  • Heilig-Kreuz-Kirche in Gladbeck-Butendorf - Christozentrischer Innenraum
  • Festlich gekleidete Gruppe vor dem Portaleingang von St. Barbara in Röhlinghausen - Ansichtskarte (polnisches Marienfest?), frühestens von 1912 (Einweihungsjahr der Kirche)
  • Das Redemptoristenkloster in Bochum - Das Kloster war 1885–1894 Wohnsitz von Ruhrgebiets-Seelsorgern polnischer Nationalität, die aus Westpreußen angeworben worden waren. Ansichtskarte, ca. 1910
  • Franziskanerkloster und Kirche in Dortmund - Patres aus diesem Kloster waren zeitweilig mit der Ruhrpolen-Seelsorge betraut.
  • Schwarze Madonna im Kloster Jasna Góra in Tschenstochau - Ikone auf Holz aus dem 14. Jahrhundert
  • Populärer Farbdruck des Gnadenbilds der Schwarzen Madonna - Aus dem Besitz einer ruhrpolnischen Familie, Anfang 20. Jahrhundert
  • Darstellung der Schwarzen Madonna von Tschenstochau auf einer ruhrpolnischen Vereinsfahne aus Gladbeck - Anfang 20. Jahrhundert
  • Jesus, Maria und Josef in der Stanislaus-Kostka-Kathedrale in Lodz - Detail aus dem Stanislaus-Kostka-Altar, ca. 1911–12
  • Der heilige Josef in seiner Zimmermannswerkstatt. Der Jesusknabe hilft ihm bei der Arbeit. - Detail aus einem Fenster in der St.-Johannes-Kirche in Recklinghausen-Suderwich. Glasmalerwerkstatt Wilhelm Derix / Kevelaer, 1907
  • Die heilige Barbara zwischen zwei Bergleuten - Skulpturengruppe in der St.-Josef-Kirche in Chorzów / Königshütte (Oberschlesien), ca. 1910
  • Altargemälde in der Pfarrkirche von Ostrava-Mariánské-Hory (Tschechien) - Ein verunglückter Bergmann sieht als Vision, wie Barbara einen Priester schickt, um ihm die hl. Kommunion zu bringen. Der Apostel Petrus weist einen Teufel ab, der sich die Seele des Bergmanns sichern will. Ca. 1910
  • Barbara bringt einem Bergmann die heilige Kommunion. - Ruhrpolnische Vereinsfahne aus Gladbeck (s.o.). Rückseite
  • Die Bergbaupatronin in der St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Dorstfeld - Skulptur von 1898
  • Darstellung der heiligen Jadwiga (Hedwig von Anjou) auf einer Vereinsfahne aus Bochum-Gerthe - „Towarzystwo św[iętej] Jadwigi w Gerthe, zał[ożone], 17.5.1896“
  • Gedenktafel in der St.-Joseph-Kirche in Essen-Katernberg - Mit den Namen von 183 Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Dazu Martin von Tours und Gereon von Köln als Soldaten-Schutzpatrone. 1927–1928
  • Polnische und deutsche Namen von gefallenen Soldaten - Detail von der Katernberger Gedenktafel
  • Rosenkranzmadonna von ca. 1890 aus der St.-Joseph-Kirche in Gelsenkirchen-Schalke - Die Marienfigur erinnerte mit ihrem gedunkelten Gesicht an die „Schwarze Madonna“ von Tschenstochau. Das Osterbildchen von 1956 flankiert sie mit der hl. Klara (links) und der hl. Elisabeth (rechts).
  • Die heilige Hedwig als Schutzpatronin der Flüchtlinge und Vertriebenen im Nachkriegsdeutschland - Ausschnitt aus einem Farbfenster in der Kirche St. Aposteln in der Dortmunder Nordstadt von Günther Reul, 1958–1960
  • Die neue katholische Kirche in Herne-Röhlinghausen - Frontansicht, 2023
  • Der ehemalige Röhlinghauser Hochaltar - In ausgeklapptem Zustand, 2023
  • Der ehemalige Röhlinghauser Hochaltar - Mit zugeklappten Flügeln, 2023
  • Der Bischof und Missionar Adalbert wird 997 von heidnischen Pruzzen in Ostpreußen ermordet. - Relief am Bronzeportal (von ca. 1175) der Domkirche von Gnesen
  • Adalbertschrein im Dom von Gnesen - Die Silberfigur wurde 1986 gestohlen und weitgehend zerstört, so dass man sie durch eine Kopie ersetzen musste.
  • Adalbert-Denkmal von 1997 vor der ehemaligen protestantischen Pfarr- und Garnisonskirche von Gnesen (Gniezno) - Die Stadt gehörte bis 1918 zum Deutschen Kaiserreich. 1945 wurde das Bauwerk katholisiert und polonisiert, d.h. als „Kirche der heiligen Maria, der Königin von Polen“ neu konsekriert.
  • Der Röhlinghauser Flügelaltar - Elisabeth von Thüringen und Adalbert von Prag
  • St.-Johannes-Kirche in Recklinghausen-Suderwich - Die Apsis im Vordergrund dient als Josefs-Kapelle.
  • Chorfenster von 1904 in der St.-Johannes-Kirche in Recklinghausen-Suderwich - Rechts unten u.a. Stanislaus Kostka
  • Tarcisius, Stanislaus Kostka, Thomas von Aquin  - Darstellung von drei Heiligengestalten im rechten Fenster des Hauptchors der St.-Johannes-Kirche in Recklinghausen-Suderwich
  • Im Auftrag der Bergbau-Patronin Barbara reichen zwei Engel dem erkrankten Stanislaus Kostka die heilige Kommunion - Kupferstich von Hieronymus Wierix (1563 – vor 1619)
  • Die Muttergottes überreicht Stanislaus das Jesuskind. - Darstellung auf dem Stanislaus-Kostka-Altar in der Kathedrale von Lodz, ca. 1910–1911
  • Stanislaus Kostka hält das Jesuskind auf dem Arm. - Darstellung im rechten Chorfenster der St.-Johannes-Kirche in Recklinghausen-Suderwich von 1904
  • St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving - Außenansicht
  • Marienaltar der St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving - Um 1900
  • Deutsche Stiftungsinschrift am Evinger Marienaltar - St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving
  • Polnische Stiftungsinschrift am Evinger Marienaltar - St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving
  • Kirche St. Aposteln in der Dortmunder Nordstadt - Außenansicht
  • Beichtstuhl von 1907 - Aus der Kirche St. Aposteln in der Dortmunder Nordstadt
  • Polnische Inschrift auf dem Beichtstuhl von 1907 - Aus der Kirche St. Aposteln in der Dortmunder Nordstadt
  • Missionskreuz in der Dortmunder Kirche St. Aposteln - 1907 gestiftet, vermutlich von Ruhrpolen
  • St.-Josef-Kirche in Dortmund-Nette - Außenansicht
  • Polnisches Missionskreuz von 1913 - In der St.-Josef-Kirche in Dortmund-Nette
  • Polnische Inschrift auf dem Missionskreuz - In der St.-Josef-Kirche in Dortmund-Nette
  • St.-Getrudis-Kirche in Recklinghausen-Hillerheide - Außenansicht
  • Missionskreuz aus der St.-Getrudis-Kirche in Recklinghausen-Hillerheide, 1911 - Heute im Besitz des Museums „RELiGIO“ in Telgte
  • Polnische Messinginschrift auf dem Missionskreuz von 1911 - Aus der St.-Getrudis-Kirche in Recklinghausen-Hillerheide
  • St.-Anna-Kirche im Unionviertel in Dortmund - Seit 2003 Kirche der Polnischen Katholischen Mission (Polska Misja Katolicka)
  • Ziborium aus der St.-Anna-Kirche in Dortmund, um 1910 - Laut einer Inschrift war das Hostiengefäß ein Geschenk der polnischen Frauen von St. Anna
  • Polnische Inschrift auf dem Hostiengefäß - Aus der St.-Anna-Kirche in Dortmund, um 1910
  • Dreifaltigkeitskirche in der Dortmunder Nordstadt - Außenansicht
  • Messkelch aus der Dortmunder Dreifaltigkeitskirche - Goldschmiedewerkstatt Hermann Cassau / Paderborn, 1913
  • Fuß des Messkelchs aus der Dortmunder Dreifaltigkeitskirche - Polnische Stiftungsinschrift, 1913
  • Ruhrpolnische Vereinsfahnen in der St.-Anna-Kirche in Dortmund (links) - Im Besitz von Porta Polonica
Marienaltar der St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving, um 1900 – Foto: Porta Polonica / Philipp Harms, 2026
Marienaltar der St.-Barbara-Kirche in Dortmund-Eving, um 1900

Ruhrpolnische Seelsorge im Konflikt
 

Die Seelsorge sah sich durch den massenhaften Zustrom von fremdsprachigen Gläubigen sozial stark herausgefordert. Denn das Leben der Bergleute und Stahlarbeiter war von harter und gefährlicher Arbeit im Schichtbetrieb geprägt, von oft unzureichenden Wohnbedingungen, von Entwurzelung und Vereinsamung im unüberschaubaren Gewirr der schmutzigen und vergifteten Stadtlandschaft. Die ortsansässige Bevölkerung misstraute vor allem den polnischen Neuankömmlingen. Man unterstellte ihnen klischeehaft ein tölpelhaftes Verhalten, Leichtsinn, Verlogenheit, Faulheit und Trunksucht. Die farbenfrohe Kleidung der Polinnen galt als geschmacklos, ihre Haushaltsführung als unordentlich.

Vor allem im nördlichen Ruhrgebiet gab es um 1900 regelrechte „Polenzechen“, bei denen die Belegschaft zu mehr als 50 % aus polnischsprachigen Bergleuten bestand. Demzufolge dominierten die Pol:innen zahlenmäßig auch in manchen Kirchengemeinden, z.B. in der Herz-Jesu-Pfarrei in Bottrop [ . ], was bei der alteingesessenen Bevölkerung auf Irritation stieß. Polnische Mehrheiten in gewählten kirchlichen Gremien wurden ignoriert oder sabotiert. Etablierte kirchliche Vereine sperrten sich gegen die Aufnahme von fremdsprachigen Neubürger:innen. Auch deswegen entstand bald ein spezifisch polnisches Vereinswesen im Umfeld der Kirchen. Als Präses amtierte dort aber der deutsche Ortspfarrer oder sein Kaplan. [ .

Zu einem zentralen Konfliktfeld entwickelte sich die Verwendung der polnischen Sprache im Gottesdienst. Zunächst erfolgte die geistliche Versorgung im Ruhrgebiet durch Weltpriester polnischer Nationalität, die aus den preußischen Ostprovinzen angeworben wurden. Sie residierten im Bochumer Redemptoristenkloster, aus dem die deutschen Patres im Zuge des preußischen Kulturkamps 1873 ausgewiesen worden waren [ . ], und besuchten von dort aus die einzelnen Pfarrgemeinden. Höhepunkt dieser Seelsorge waren mehrtägige polnische „Volksmissionen“, mit einem breitgefächerten Angebot an Messfeiern, Beichtehören und religiöser Unterweisung.

Besonders rührig wirkte Franciszek Liss seit 1890 im östlichen Ruhrgebiet, der hier u.a. die populäre Zeitung „Wiarus Polski“ gründete. Der umtriebige Pastor geriet aber bald – nicht ganz zu Unrecht – in den Verdacht, im nationalpolnischen Interesse zu agitieren, so dass die preußischen Behörden 1894 beim Bischof von Paderborn seine Abberufung durchsetzen. Danach erfolgte die regionale Ruhrpolen-Seelsorge eine Zeitlang durch oberschlesische Patres aus dem Dortmunder Franziskanerkloster [ . ], nach 1900 verstärkt durch deutsche Weltpriester, die sich die notwendigen Sprachkenntnisse erst aneignen mussten. Diese Kleriker gerieten leicht in den Verdacht, die polnischen Gläubigen im Auftrag des Staates mit Hilfe der Seelsorge germanisieren zu wollen, und stießen daher häufig auf Misstrauen und Ablehnung.

Trotz dieser Konfliktsituation engagierten sich polnische Gemeindemitglieder und Polen-Vereine vielfach für den Bau und die Ausstattung von Kirchen im Ruhrgebiet. Dokumentiert sind finanzielle Zuwendungen u.a. für Dortmund (Franziskanerkloster, Dreifaltigkeitskirche), Gelsenkirchen-Schalke und Recklinghausen-Bruch. In Bottrop-Eigen und Bottrop-Batenbrock unterstützten polnische Gemeindemitglieder solche Projekte auch durch ihre Arbeitskraft: Rentner schafften Ziegel und Sand heran, Bergleute halfen nach der Schicht tatkräftig auf dem Bau. 

Zur Ausstattung von Gotteshäusern stifteten ruhrpolnische Gemeindemitglieder oder Vereine mehrfach Altäre, u.a. für Kirchen in Dortmund-Eving (St. Barbara), Herne (St. Bonifatius), Duisburg-Laar (St. Ewaldi) und Castrop-Rauxel-Schwerin (St. Franziskus). Die Stiftung von Beichtstühlen erfolgte wohl meistens aus Anlass einer ruhrpolnischen Mission. Beispiele sind u.a. für Dortmund (St. Aposteln), Dortmund-Marten (Heilige Familie), Herne-Börnig (St. Peter und Paul), Oberhausen-Osterfeld (St. Pankratius) und Duisburg-Meiderich (St. Michael) belegt. Diese Beichtstühle wurden nach der Volksmission auch weiterhin von polnischen Seelsorgern und Gläubigen benutzt.

Zur Erinnerung an solche Ereignisse wurden gelegentlich Missionskreuze mit polnischer Inschrift gestiftet, u.a. in Gelsenkirchen-Bismarck (St. Franziskus), Recklinghausen-Hillerheide (St. Gertrudis) und Dortmund-Nette (St. Josef). Einzelne Priester, denen sich die polnischen Gemeindemitglieder besonders verbunden fühlten, erhielten liturgisches Gerät als Geschenk, z.B. Messkelche oder Hostiengefäße in Witten (Liebfrauenkirche) und Dortmund (St. Anna, Dreifaltigkeitskirche). Von solchen Stiftungen ist im Ruhrgebiet nur noch wenig vorhanden. Diese Objekte werden weiter unten vorgestellt. [ ., ., ., ., ., . ]