Brygida Wróbel-Kulik. Kunst, Räume, Lebenswelten
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Das Werk von Wróbel-Kulik ist in hohem Maße autobiografisch und zugleich ökologisch ausgerichtet. Wiederkehrende Motive sind Flüsse, Grenzen, Gärten als Metapher der Welt bis hin zu den von der Künstlerin definierten „besonderen Orten“. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit dem Raum, den Möglichkeiten seiner Darstellung, der Identität von Orten und deren Symbolik. Natur und Biografie sind hier untrennbar miteinander verwoben. Ein häufig auftretendes Motiv sind Pilze, die mit dem tragischen Tod der Großmutter der Künstlerin verbunden sind, die an einer Pilzvergiftung starb. Zugleich sind sie eine Rückkehr zur Kindheit und zur Beziehung mit dem Vater, der sie in die Welt der Wald- und Wiesenpflanzen einführte, in ihre Sinnbildlichkeit und praktische Anwendung – vom Löwenzahn bis hin zur Kräuterheilkunde. Technisch arbeitet sie vor allem mit den Prozessen des Zu- und Abschichtens sowie mit feinen Überlagerungen von Papier, Wachs, Säure, Farbe und anderen Materialien. Mithilfe dieser Collagetechnik entstehen vielschichtige Strukturen und räumliche Tiefe. Wróbel-Kulik definiert sich keinesfalls ausschließlich über die Zweidimensionalität. Sie schafft Künstlerbücher, Installationen und sphärische Objekte. Ihre Arbeiten treten häufig in die dritte Dimension und bringen Bewegung ins Spiel.
Einen bedeutsamen Einschnitt stellt die Mutterschaft dar – auch wenn die Künstlerin betont, dass sie ihre Arbeit nicht unmittelbar verändert habe, so habe sie diese doch nachhaltig transformiert. Die Arbeit „Bibliothek für Miriam“ – eine Explosion von Farbe und Material – fungiert als Metapher für das Kostbarste, das sich an ein Kind weitergeben lässt: Wissen, Erinnerung und Erfahrung. In der Folge gewinnen bei Wróbel-Kulik Fantasie, das spielerische Erkunden der Welt und das Experimentieren zunehmend an Bedeutung – nicht nur im Hinblick auf Techniken, sondern auch auf Materialien. In den frühen Jahren war dies teilweise den begrenzten finanziellen Möglichkeiten geschuldet: Zahlreiche Arbeiten entstehen daher auf gefundenen Trägermaterialien – Papierrollen, Mustertafeln, Tapetenkatalogen, später auch auf alten Landkarten, die die Künstlerin mit einer neuen, persönlichen Bedeutung überschreibt. Was aus der Not entstand, wird zu ihrer Handschrift.
Brygida Wróbel-Kulik verwebt in ihrem Werk Intimität und Universalität, persönliche Erfahrungen und kollektive Erinnerungen zu einem feinen Geflecht. Charakteristisch für diese „Erlebnisnotizen“ ist die unmittelbare, spontane künstlerische Geste: Ein Gedanke wird rasch festgehalten, künstlerisch in ein passendes Medium umgesetzt und erhält so sofort eine eigene Stimmung, eine Präsenz zwischen Kopf und Herz.
Katarzyna Schieweck, März 2026