Rodło-Zeichen

Rodł-Zeichen
Rodło-Zeichen

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Das Rodło-Zeichen – ein graphisches Zeichen des Bundes der Polen in Deutschland seit 1933,  stellt den stilisierten Flusslauf der Weichsel mit der markierten Stadt Krakau dar. Dabei wurden die nationalen Farben verwendet: Das graphische Zeichen wurde vor rotem Hintergrund dargestellt.

Das Zeichen entwarf die Graphikerin Janina Kłopocka, den Namen gab ihm der Journalist Edmund Jan Osmańczyk. Der Name wurde künstlich geschaffen und setzt sich aus den beiden Worten „ROdzina“ (Familie, Stamm) und „goDŁO“ (Wappen) zusammen.

Lage im Atlas der Erinnerungsorte

Das Zeichen und der Name bürgerten sich unter den Polen in Deutschland sehr schnell ein, nach 1945 auch in Polen und anderen Ländern. Heute wird es vom Bund der Polen in Deutschland weiterbenutzt, man kann es im Wappen von einigen polnischen Städten sowie territorialen Selbstverwaltungen wieder finden. Zudem benutzen es heute Schulen und Sportvereine. 1985 wurde von den kommunistischen Machthabern eine Medaille (Rodło-Medaille) gestiftet, die u.a. Personen mit besonderen Verdiensten für den Kampf um das Polentum in den deutschen Gebieten vor 1945 verliehen wurde.

Nach der Gründung des Bundes der Polen in Deutschland 1922, einer Dachorganisation der Polen in Deutschland, beschloss seine Führung ein eigenes Zeichen zu erstellen. Die deutschen Behörden hatten den polnischen Organisationen verboten auf ihren Fahnen die polnischen nationalen Farben und das Symbol des weißen Adlers zu benutzen. Mehrmals wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, er endete aber mit keinem zufrieden stellenden Erfolg. Trotzdem verzichtete der Generalsekretär des Bundes der Polen, Dr. Jan Kaczmarek, nicht auf diese Idee. Der aus einer Bergmannsfamilie stammende Funktionär war einer der ersten Akademiker unter den Polen aus Westfalen.

Die Vorbereitungen zum zehnjährigen Jubiläum des Bundes der Polen in Deutschland waren ein willkommener Anlass, um auf die Frage des Zeichens zurückzukommen. Stefan Murek, der Redakteur des „Polak w Niemczech“ („Der Pole in Deutschland") schlug den Lauf der Weichsel als Leitmotiv vor. Um eine Ähnlichkeit mit den Runenzeichen und / oder dem NS-Zeichen, dem Hakenkreuz, zu vermeiden, schlug Dr. Kaczmarek vor, Krakau, die Wiege der polnischen Kultur, auf den Flusslauf zu setzen. Mit der Erstellung eines Zeichenentwurfs wurde eine junge Graphikerin, die Studentin der Akademie der Künste in Warschau, Janina Kłopocka beauftragt. Sie schlug mehrere Entwürfe vor. Schließlich akzeptierte der Zentralrat mit seinem Präses Pfarrer Bolesław Domański eines der Projekte. Offen blieb die Frage nach dem Namen des zukünftigen Zeichens. Man wandte sich damals an einen jungen Redakteur des „Młody Polak w Niemczech“ („Der junge Pole in Deutschland“), Edmund Jan Osmańczyk, damit er einen Namen vorschlug. Osmańczyk bot einen Neologismus an, ein Kunstwort „Rodło“, das aus zwei Worten bestand: „ROdzina“ (Familie, Stamm) und „goDŁO“ (Wappen). Der neue Name stieß auf allgemeine Zustimmung. Das von der Graphikerin vorgeschlagene endgültige Projekt zeigte den tatsächlichen Lauf der Weichsel, die Silhouette des Wawelschlosses und den Namen Krakaus vor weiß-rotem Hintergrund. Darunter war folgende Aufschrift zu lesen: „Wir sind Polen. Wir gehören der polnischen Nation an, deren kulturelle Wiege Krakau und deren treuer Fluss die Weichsel ist.

Diese zwei Stärken vereinigt unser Rodło, das weder Wappen noch Emblem, sondern ein Symbol unserer Herkunft und Verbundenheit mit der ganzen polnischen Nation und ihrem Geist ist“. Das neue Zeichen verbreitete sich schnell. Es wurde auf die Fahnen des „Bundes der Polen in Deutschland“ gesetzt und die Mitglieder bekamen Abzeichen mit dem neuen Verbandssymbol. Zum ersten Mal wurde das neue Zeichen während des 2. Kongresses der Auslandpolen in der Öffentlichkeit benutzt, der im August 1934 in Warschau stattfand. Es war dies die erste Manifestation der Polen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands und eine Demonstration ihrer Verbundenheit mit dem Mutterland. Die Polen aus Deutschland traten als einzige Gruppe mit eigenen Originalfahnen auf, die am 5. August des Jahres mit der Weichsel ‘vermählt’ wurden. Über dieses Ereignis berichtete die Presse viel. Manchmal kam es dabei zu Missverständnissen.

Einige Zeitungsredakteure verwechselten den Namen „Rodło“ mit einem slawischen landwirtschaftlichen Gerät namens „Radło“ (Hakenpflug). An der sogenannten „Vermählung mit der Weichsel“ nahmen ca. dreitausend Personen teil, die während eines Festzuges durch das Zentrum der Hauptstadt die Verbandsfahnen trugen. Auf diesen Fahnen waren das neue Zeichen und die Ortsnamen von Untergruppen des „Bundes der Polen in Deutschland“ zu sehen. Am Flussufer angekommen wurden die Fahnen feierlich in den Strom eingetaucht. Bald wurden die Polen in Deutschland „Rodłaki“ genannt. In der 1937 vom Schlesischen Institut in Kattowitz veröffentlichten Publikation: „Na Śląsku Opolskim“ (Im Oppelner Schlesien) schrieb der Verfasser Stanisław Wasylewski über das „Rodło“ und seine integrierende Bedeutung für die Polen in Deutschland wie folgt: „Es war ein guter Gedanke: Alle Polen, die im deutschen Staat gelebt haben, unter einem Wahlspruch zu vereinigen, wie es die polnischen Ritter im Kampf unter dem Kampfruf 'Polkoza' oder 'Jastrzębica' vereinigt haben“. Zu diesem Ruf wurde „Rodło“. Das neue Wort bürgerte sich in der Alltagssprache schnell ein und überraschte viele mit seinem antiken Klang. Es gab auch Menschen, die vergeblich im Wörterbuch nachschlugen, um seine Herkunft und Bedeutung ausfindig zu machen. Es gab aber kein „Rodło“, es wurde neu und treffend erfunden. Das „Rodło-Zeichen“ benutzten darüber hinaus unterschiedliche Jugendorganisationen in Deutschland, u.a. kam es auf die Rautenlilie des Polnischen Pfadfinderverbandes in Deutschland. 1935 entstand das „Rodło-Lied“:

Od wieków wszystko zwyklim kłaść w ofierze,

od wieków walczyć co dnia wciąż na nowo,

o okruch prawa, polskie „W Boga wierzę”,

o polską duszę, każde polskie słowo.

 

Idziemy z siłą co płynie z słuszności,

nam walka hartem, a siłą wytrwanie

i przysięgamy na swych Ojców kości-

o sprawę walczyć nigdy nie ustaniem!

 

Jesteśmy Polakami!

 

I tego żadna moc nie zmieni!

Bóg z nami, Sprawa z nami,

Bóg nam wiarą serca rozpłomienił!

Rodło królewskie mamy!

 

Jesteśmy Polakami!

 

Der Verfasser dieser Zeilen war Edmund Jan Osmańczyk und die Musik komponierte Pazia Kaczmarek. Anfang 1938 entstand die „Rodło-Hymne“. Ihr Verfasser war Franciszek Jujka. Zum ersten Mal wurde sie während des Polen-Kongresses in Deutschland in Berlin am 6. März 1938 durch vereinigte polnische Chöre aufgeführt:

 

Nam Bóg powierzył Ojców ziemicę,

pruskie jeziora śląskie kopalnie oraną sochą zroszoną krwią.

Dał znak rodowy Złoto w skiełany, Westfalii świat!

Wszystkich nas łączy Wisłę rodzicę,

co karmiła nykrynica swą nie rozerwalnie.

Matczyne znamię rodzony brat.

Dziejowej chwały postawił gontynę

Więźnią serdeczną splećmy rodzinę.

U Wisły źródeł wawelski gród.

Rodło niech łączy nas Hartujmy dusze na znój i trud.

Rodło niech łączy nas w mężną drużynę!

Polski my Naród, polski my lud!

W mężną drużynę!

Polski my Naród, polski my lud!

 

Die Schaffung eines neuen Zeichens stellte zweifelsohne einen integrierenden Faktor der polnischen Minderheit in Deutschland dar. Die Verwendung eines separaten Zeichens unterschied die Polen von den Deutschen, die sich nach 1933 durch das Hakenkreuz und den „Hitlergruß“ auszeichneten. Die Verwendung des „Rodło“-Zeichens verlangte von den Polen großen Mut, vor allem zur Zeit der Zunahme der Verfolgung Ende der 1930er Jahre. Die Atmosphäre dieser Jahre drückte Edmund Osmańczyk treffend aus: „Selbstverständlich verlangte [die Verwendung des „Rodło“-Zeichens - Anm. des Verf.] großen Mut, der von vielen 1939 mit Gefängnis und Konzentrationslager bezahlt wurde. Es blieb aber für die Geschichte ein Zeugnis, dass bis September 1939 nicht nur in Westfalen und im Rheinland, sondern eben auch an der Oder von Ratibor bis Stettin, im ganzen Oderland und Ostpreußen die dortige autochthone polnische Bevölkerung ihre Zugehörigkeit zur Wiege der polnischen Nation und Kultur während der dunklen Jahre des 3. Reiches manifestierte“.

Krzysztof Ruchniewicz

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