Die "Wahrheiten der Polen"

Prawdy Polaków
Prawdy Polaków (Die Wahrheiten der Polen) - eine oft in der Polonia-Presse verwendete Druckversion von ca. 1960

Info

Die „Wahrheiten der Polen“ wurden in Berlin am 6. März 1938 während des 1. Kongresses der Polen in Deutschland verabschiedet. Man meint, dass die einzelnen Formulierungen schon früher Bestand hatten.

Die „Wahrheiten der Polen“ dienten als wichtiges Identifikationselement der polnischen Minderheit in Deutschland vor 1939. Sie spielten eine integrierende Rolle vor allem zur Zeit der Zunahme der unterschiedlichen Schikanen und Einschränkungen von Seiten der NS-Machthaber. Die Erinnerung an sie wird bis heute gepflegt, so wurde zum Beispiel in der Aula des 1. Jan Smoleń Lyzeums in Bytom / Beuthen am 7. April 2011 eine Gedenktafel mit den „Wahrheiten der Polen“ enthüllt (im deutschen Beuthen gab es in den Jahren 1932-1939 ein Polnisches Gymnasium).

Lage im Atlas der Erinnerungsorte

Die „Wahrheiten der Polen“ wurden in Berlin am 6. März 1938 während des 1. Kongresses der Polen in Deutschland verabschiedet. Man meint, dass die einzelnen Formulierungen schon früher Bestand hatten. Die „Wahrheiten der Polen“ dienten als wichtiges Identifikationselement der polnischen Minderheit in Deutschland vor 1939. Sie spielten eine integrierende Rolle vor allem zur Zeit der Zunahme der unterschiedlichen Schikanen und Einschränkungen von Seiten der NS-Machthaber. Die Erinnerung an sie wird bis heute gepflegt, so wurde zum Beispiel in der Aula des 1. Jan Smoleń Lyzeums in Bytom / Beuthen am 7. April 2011 eine Gedenktafel mit den „Wahrheiten der Polen“ enthüllt (im deutschen Beuthen gab es in den Jahren 1932-1939 ein Polnisches Gymnasium).

Der Verfasser der “Wahrheiten der Polen”, des “Dekalogs“ oder des “nationalen Katechismus” der Polen in Deutschland, ist nicht bekannt. Der Text besteht aus fünf Teilen.

Der erste lautet: „Wir sind Polen!“. Diese “Wahrheit” diente schon Anfang der 1920er Jahre als Aufruf zur Einheit der polnischen Bewegung in Deutschland. Sie wurde während unterschiedlicher Jubiläumsfeierlichkeiten erwähnt, sie war auch auf jedem Transparent zu sehen.

Die zweite und die dritte “Wahrheit” lauten: „Der Glaube unserer Väter ist der Glaube unserer Kinder!“ und „Ein Pole ist dem anderen Polen ein Bruder!“ Diese letztgenannte Wahrheit konnte man im ersten Aufruf des Zentralrates des Bundes der Polen in Deutschland wieder finden.

Die vierte “Wahrheit” lautet: „Der Pole dient jeden Tag seinem Volk!“. Nach Meinung des Autors des Lexikons des Polentums in Deutschland wurde diese “Wahrheit” „im organisatorischen Leben der Polen in Deutschland immer wieder angesprochen“. [S. Prawdy Polaków, Leksykon Polactwa w Niemczech, (s. Artikel „Wahrheiten der Polen“, in: Lexikons des Polentums in Deutschland) wydanie fototypiczne, Warszawa-Wrocław 1973, S. 624]

Die fünfte und letzte “Wahrheit“ lautet: „Polen ist unsere Mutter – über die Mutter darf man nichts Schlechtes sagen!“. Mit der Entstehung dieser “Wahrheit“ ist eine Anekdote verbunden. Ein junger Pole aus Westfalen reiste zum ersten Mal nach Polen. Auf dem Rückweg hielt er sich in der Zentrale des Bundes in Berlin auf. Er wollte um Vermittlung im Gespräch mit seinem Vater bitten, der das Benehmen seines Sohnes nicht verstehen konnte, da sich dieser mit seinem Onkel gestritten und ihm sogar eine Ohrfeige verpasst hatte. Der Grund war, dass sich der Onkel negativ über Polen geäußert hatte. „Polen ist doch unsere Mutter“ – soll der junge Mann gesagt haben – „und über die Mutter darf man nichts Schlechtes sagen!“

Nach der Verkündung der “Wahrheiten der Polen“ während des 1. Kongresses der Polen in Deutschland am 6. März 1938, fügte Dr. Jan Kaczmarek hinzu: „Unsere Wahrheiten kommen nicht aus dem Verstand der Weisen, aber aus den einfachsten Herzen des polnischen Volkes. Die Wahrheiten sind also für die polnischen Herzen. Und von dort, vom Kongress der Polen in Deutschland, senden wir die Wahrheiten an alle polnischen Herzen in der Welt“. [S. Prawdy Polaków, Leksykon Polactwa w Niemczech, (s. Artikel „Wahrheiten der Polen“, in: Lexikons des Polentums in Deutschland) wydanie fototypiczne, Warszawa-Wrocław 1973, S. 625].

Krzysztof Ruchniewicz

Teilen